Erinnerungen an Prof. Rudolf Gelbard


Erinnerung von Gertrude Marek 24.10.2018

Herr Professor Rudolf Gelbard war gemeinsam mit seiner lieben Gattin und Frau Professor Kaethe Sasso als beeindruckender und beruehrender Zeitzeuge an der Landesberufsschule Schrems. Ein Saal mit 150 Schuelerinnen und Schuelern aus 16 Lehrberufen - der Abschluss eines umfangreichen Gedenkprojektes - man haette eine Stecknadel fallen hören können.

Sein Einsatz fuer Toleranz, Meinungs- und Gewissensfreiheit, sein Kampf gegen Extremismus wird unvergessen bleiben.

Zeitzeugen sollten ewig leben koennen - es waere nötig!!!

In bleibender Erinnerung
OSR Gertrude Marek
Heidenreichsteiner Str. 23
3902 Vitis
Bis 2017 Direktorin der Landesberufsschule Schrems


Erinnerung von Karl F. Edlinger 24.10.2018

Mein persoenliches Adieu zu meinem Trauzeugen und Mentor, der er war! Werde ihn immer in Ehren halten! Seine Jugend durfte ihn nicht entfalten lassen, aber im Alter entfaltete er ein Zueinander und Grosszuegigkeit Andeten gegenueber und so wird er mir in Erinnerung bleiben.zay gezund in di fridlekh lebn! shalom


Erinnerung von Dr. Hubert Steiner 24.10.2018

Ich verneige mich vor einem großen Mann und einem lieben Freund. Er war die mahnende Stimme in einer Republik, die sich mehr und mehr verändert.
Auch wenn Deine kräftige und ausdrucksvolle Stimme nunmehr verklungen ist, so wird sie in so manchen Herzen - so auch in meinem - weiterleben.
Shalom - shalom mein guter Rudi


Erinnerung von Michael Huber 08.03.2018

Lieber Hr. Prof. Gelbard,
Es hat mich sehr gefreut Sie heute mittags persönlich kennengelernt zu haben und mit Ihnen über sehr interessante Themen zu sprechen.
Liebe Grüsse,
Michael Huber -
Stichwort: Boltzmanngasse...


Erinnerung von Prof. Kurt Brazda (Freund und Regisseur) 23.06.2016

Wenn Rudolf Gelbard öffentlich das Wort ergreift, dann weiß er ganz genau, welche
rhetorische Dramaturgie geboten ist, um seine Zuhörer in seine Erzählung hineinzuziehen.
Als Zeitzeuge ist er insofern eine Ausnahmeerscheinung, als er selbst Erlebtes gleichsam in einen historischen Raster positionieren und dabei politische Zusammenhänge auf unvergleichliche Art und Weise veranschaulichen kann.
Rudi ist einer der ganz wenigen Überlebenden des NS Terrors, der sein schweres Los als jugendlicher Jude zwischen 1938 und 1945 insofern bewältigte, als er mit dem ihm eigenen wachen Geist damals alles detailgenau registrierte und sich nach dem Krieg akribisch dem Studium seiner Peiniger widmete. Damit erlangte er ein Wissen über die NS Zeit, welches die Kompetenz so manchen Zeithistorikers in den Schatten stellt. Im Gegenteil: Es waren und sind die Historiker und Journalisten, die bei ihm gleichsam "in die Lehre" gehen, denn kaum jemand anderer kann die Zusammenhänge und die Wirkungsweise des Naziterrors so exakt und treffend beschreiben. In seiner pedantischen Faktentreue lässt er sich und anderen
keinen Fehler, keine Ungenauigkei, durchgehen, wenn er etwas nicht genau weiß, enthält er sich jeder Stellungnahme dazu.

Bei unseren gemeinsamen Dreharbeiten zum Dokumentarfilm "Der Mann auf dem Balkon" (2008) besuchten wir die Schauplätze seines Martyriums in Theresienstadt und es war für ihn sicher eine ungemein belastende Wiederbegegnung mit einer für uns Nachgeborene unvorstellbaren bleiernen und bedrohlichen Zeit.
Die Magie des Schauplatzes, welche ich in allen meinen Dokumentarfilmen zu beschwören versuche (was war, das ist) beflügelte seine grausamen Erinnerungen und mit großartiger Selbstdisziplin vermochte er seine Emotionen zu zügeln und uns die Fakten schonungslos darzulegen. Dabei schimmerte auch immer seine zeithistorische Kompetenz durch, sodass er uns vor der Kamera einen packenden Geschichtsunterricht vermittelte unter dem Motto: Ich habe es wirklich erlebt!
Nach dem Krieg wurde Rudi sehr bald zum Mythos des antifaschistischen Widerstandes gegen jede Form der Wiederbetätigung. Keine Demonstration, keine Manifestation, in der er nicht an vorderster Front mitmarschierte und in unzähligen öffentlichen Reden den Kampf für Menschenrechte und Demokratie beschwor. Er gab damit unserem Land, das Jahrzehnte den "Opfermythos" vor sich hertrug ein Gewissen und damit die späte Erkenntnis, dass unzählige Österreicher auch Täter und Mitläufer waren.
Gerade jetzt, wo systematisch an den Grundfesten der Demokratie geschraubt wird, wo längst überwunden geglaubtes aus der Versenkung auftaucht und Menschenrechte in Zweifel gezogen werden, gerade jetzt brauchen wir dringend Persönlichkeiten wie Rudolf Gelbard. Möge er noch lange gehört werden!